Marktkommentar Aktien: 2025 zwischen KI-Euphorie und Bewertungsdisziplin

Zwischen Euphorie und Rationalisierung zeigte sich im Jahr 2025 ein Marktumfeld, das Chancen bot, aber klare Selektion erforderte. Mark Frielinghaus, Principal Investment Strategist Equities, ordnet die zentralen Entwicklungen ein – von globalen Markttrends über Sektorrotationen bis hin zu den Implikationen für Anleger im Ausblick auf 2026.

Mark Frielinghaus, CFA

Mark Frielinghaus, CFA
Principal Investment Strategist Equities

In Kürze

  • Stabile Makrolage, höhere Selektivität: Solides Wachstum stützte die Märkte, Bewertungen rückten wieder in den Fokus.

  • Von KI zu Marktbreite: Technologie blieb stark, doch Banken und Industrie holten auf.

  • Disziplin bleibt entscheidend: Faktor- und systematische Ansätze behaupteten sich trotz Marktkonzentration.

Das Börsenjahr 2025 wird als ein weiteres faszinierend starkes Aktienjahr in Erinnerung bleiben. Es war ein Jahr, in dem wirtschaftliche Robustheit, technologische Euphorie und Skepsis aufeinandertrafen. Während geopolitische Unsicherheiten, fallende Inflationsraten und eine abwartende Geldpolitik die makroökonomische Kulisse bestimmten, prägte die Faszination für Künstliche Intelligenz (KI) die Fantasie der Anleger. Zugleich rückten Themen wie Bewertung, Faktorrotation und die Renaissance klassischer Sektoren wieder stärker in den Vordergrund. Das Ergebnis: ein dynamisches, aber anspruchsvolles Marktumfeld, das Gewinner und Verlierer klar voneinander trennte.

Makroökonomische Stabilität als Fundament

Die Weltwirtschaft zeigte sich 2025 erstaunlich widerstandsfähig. Nach Jahren hoher Unsicherheit und Preisauftrieb blieb das globale Wachstum stabil – unterstützt durch robuste Arbeitsmärkte, sinkende Energiepreise und eine moderate geldpolitische Straffung. Die US-Notenbank sowie die Europäische Zentralbank hielten sich zunehmend zurück und signalisierten, dass der Zinsgipfel erreicht sei. Infolgedessen normalisierten sich die Renditen am Anleihemarkt, was die Attraktivität von Risikoanlagen stärkte. Besonders die Emerging Markets profitierten von Kapitalzuflüssen und einer stabilen Währungsentwicklung. China erholte sich deutlich, der größte Wachstumsmotor war jedoch der koreanische Markt mit mehr als 75% Kurszuwachs in lokaler Währung.

Globale Märkte im Aufschwung

Die internationalen Aktienmärkte beendeten das Jahr mit deutlichen Zugewinnen. In Lokalwährung stieg der MSCI World um rund +18 %, der MSCI Europe um +21 % und die MSCI Emerging Markets sogar um +31 %. In Euro gerechnet blieb das Bild etwas verhaltener, doch insgesamt zeigte sich ein klar positives Momentum. Während die ersten drei Quartale von einer breiten Risikofreude geprägt waren, zeigte sich zum Jahresende eine gewisse Bewertungszurückhaltung – insbesondere im Technologiesektor.

Abbildung 1: Performance internationaler Aktienmärkte
Zeitraum: 30.12.2024 – 31.12.2025. Quelle: MSCI
Sektortrends: Outperformance der Banken unterstreicht Rückkehr zu fundamentalen Treibern

2025 offenbarte eine interessante Zweiteilung der Marktperformance. Während KI-nahe Branchen – vor allem Halbleiter, Software und Infrastruktur – weiterhin glänzten, begann ab dem dritten Quartal eine zunehmende Rotation in klassische Industrien.

Für das Gesamtjahr 2025 erzielten Banken mit +34 % die stärksten eurobasierten Renditen, gefolgt von Halbleitern (+25 %), Kapitalgütern (+19 %) und Rohstoffen (+12 %). Defensive Konsumgüter und einige Dienstleistungsbranchen blieben hingegen deutlich zurück.

Nach Jahren niedriger Zinsen und hoher regulatorischer Anforderungen brachten stabile Zinsstrukturen und verbesserte Gewinnperspektiven im Bankensegment wieder positive Impulse. Viele europäische Institute profitierten von einem Umfeld steilerer Zinskurven, moderatem Wachstum der Kreditvergabe und abschwächender Risikovorsorge, nachdem viele Banken ihre Bilanzen während der vergangenen Krisenjahre gestärkt hatten.

In der zweiten Jahreshälfte 2025 reagierten Anleger auf diese verbesserte Ertragslage mit deutlichen Bewertungsanpassungen bei Bankentiteln. Indizes wie der STOXX Europe 600 Banks verzeichneten im Jahresverlauf teils zweistellige Renditen, die deutlich über der Gesamtmarktperformance lagen. Diese Entwicklung war nicht allein auf einzelne Spitzentitel beschränkt, sondern spiegelte eine breitere Branchenrotation wider.

Darüber hinaus spielten institutionelle Themen eine Rolle: Viele Value- und Multifaktor-Strategien erhöhten ihre Gewichtung von Bankwerten, da diese im Gegensatz zu reinen Wachstumsbranchen eine attraktive Kombination aus Dividenden, wirtschaftlicher Zinsdynamik und Bewertungsaufholung bieten. Der positive Sektortrend war auch in spezifischen europäischen Märkten wie Frankreich, Spanien und Italien spürbar, wo große Universalbanken und Sparkassengruppen von einer allmählichen Besserung der konjunkturellen Lage profitierten.

Die Ausweitung der Marktbreite deutet darauf hin, dass Anleger wieder verstärkt auf Substanz und fundamentale Ertragskraft achten – und sich nicht ausschließlich auf Zukunftstechnologien verlassen.

Abbildung 2: MSCI-Branchenrenditen (EUR)
Zeitraum: 30.12.2024 – 31.12.2025. Quelle: Datastream, MSCI, LSEG
Aktives Management im Gegenwind

So positiv die Indexentwicklung auch war, für aktive Fondsmanager stellte 2025 ein schwieriges Jahr dar. Die anhaltende Dominanz weniger US-Megacaps – der sogenannten ‚Magnificent Seven‘ – erschwerte es erheblich, den Markt zu schlagen. Laut Bloomberg Intelligence zogen Anleger weltweit rund 1 Billion USD aus aktiven Aktienfonds ab, während passive ETFs mehr als 600 Milliarden USD anzogen – der elfte Jahresabfluss in Folge und der stärkste der Dekade. Diese Bewegung unterstreicht ein Dilemma der klassischen Asset-Management-Branche: Wer sich zu weit von den Benchmarks entfernt, riskiert Underperformance; wer sich zu nah an ihnen orientiert, verliert sein Alleinstellungsmerkmal.

Besonders in den USA, wo der S&P 500 erneut von wenigen Tech-Schwergewichten dominiert wurde, blieben 73 % der aktiven Fonds hinter ihren Benchmarks zurück. Das verdeutlicht, wie schwer es geworden ist, in einem Umfeld extremer Konzentration Mehrwert zu schaffen. Einige Ausnahmen bestätigten jedoch die Regel: Themenfonds mit Fokus auf Small Caps, Value-Aktien oder Rohstoffen konnten teils überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen.

Aber auch systematische Investmentkonzepte konnten in diesem schwierigen Umfeld einen Mehrwert erzielen. Dies zeigt sich an den positiven relativen Renditen der Multi-Faktor-Indizes von MSCI. Die Mischung verschiedener Investmentstile war in der Lage den breiten Markt zu übertreffen. Mit einem weiterentwickelten Prognosemodell auf Basis von Kapitalmarktfaktoren war es außerdem möglich auch gegenüber den Smart-Beta-Konzepten deutliche Mehrerträge zu erzielen.

Diese Beispiele zeigen: Disziplin, Diversifikation und ein klarer Stilansatz zahlen sich langfristig aus – auch in Jahren, in denen Benchmarks übermächtig wirken.

Abbildung 3: MSCI-Stil-Indizes
Zeitraum: 30.12.2024 – 31.12.2025. Quelle: Datastream, MSCI, LSEG
KI als Investmentnarrativ – Chancen und Risiken

Kaum ein Thema prägte 2025 stärker als Künstliche Intelligenz. Unternehmen weltweit investierten über 500 Milliarden USD in Rechenzentren, Halbleiter und Software. Während diese Welle enorme Kursgewinne für Tech-Titel brachte, wuchs zugleich die Sorge vor Übertreibung. Bewertungen von über 30-fachem Gewinn im Nasdaq 100 erinnerten manche Beobachter an die Dotcom-Zeit – wenn auch auf soliderem Fundament. Analysten betonen, dass Effekte auf Produktivität und Unternehmensgewinne erst langfristig sichtbar werden, während kurzfristige Enttäuschungen wahrscheinlich bleiben.

Regionale Perspektiven: Europa, USA und Schwellenländer

Europa präsentierte sich 2025 als stabiler Markt mit attraktiven Bewertungen. Vor allem Value-Titel und Industriewerte profitierten von einer soliden Gewinnentwicklung und der Abkühlung der Energiepreise. In den USA blieb das Wachstumstempo hoch, getragen von Innovation und Konsum, doch die Bewertungen waren anspruchsvoll. Die Emerging Markets zeigten sich dynamischer – angeführt von Südkorea, China und Taiwan, wo Kapitalzuflüsse und Strukturreformen für Rückenwind sorgten.

Edelmetalle im Aufwind – Gold und Silber als Stabilitätsanker

Parallel zur Entwicklung an den Aktienmärkten erlebten Edelmetalle 2025 eine außergewöhnliche Rally, die viele Anleger überraschte und traditionelle Anlageklassen herausforderte. Gold und Silber erreichten im Laufe des Jahres historische Höchststände und setzten sich deutlich von ihren langjährigen Durchschnittsniveaus ab — eine Entwicklung, die nicht nur technische Händler, sondern auch langfristige Strategen aufhorchen ließ.

Preisentwicklung 2025 – Rekorde bei Gold und Silber

Gold bestätigte 2025 seinen Status als sicherer Hafen: Im Jahresverlauf stieg der Preis um über 60 % und überschritt mehrfach die Marke von rund 4.400 USD pro Feinunze – der höchste Stand der Geschichte. Silber entwickelte sich sogar noch dynamischer und verdoppelte sich zeitweise auf über 75 USD pro Feinunze. Damit übertraf Silber prozentual die Performance von Gold deutlich und markierte eine der stärksten Edelmetallrallys der modernen Marktgeschichte. Mehrere Faktoren trugen zur Edelmetallrally 2025 bei. Erstens die Aussicht auf sinkende Realzinsen infolge einer möglichen geldpolitischen Lockerung im Jahr 2026. Zweitens der schwächere US-Dollar, der Edelmetalle für internationale Investoren günstiger machte. Drittens die anhaltende geopolitische Unsicherheit, die das Bedürfnis nach sicheren Häfen verstärkte. Auch Zentralbanken – insbesondere aus China, Indien und Osteuropa – weiteten ihre Goldreserven massiv aus, um Währungsrisiken zu reduzieren und Diversifikation zu schaffen.

Marktpsychologie: Zwischen Euphorie und Rationalisierung

Im Jahresverlauf zeigte sich ein bemerkenswerter Stimmungswandel. Während das erste Halbjahr von Euphorie überlagert war, setzte im Herbst eine realistischere Einschätzung ein. Anleger begannen, Bewertungsniveaus kritisch zu hinterfragen und Gewinne teilweise mitzunehmen. Diese Phase der Rationalisierung gilt als gesundes Zeichen – ein Übergang von Fantasie zu Fundamentaldaten. Viele Marktbeobachter sehen darin den Beginn einer neuen Normalität, in der Qualität, Bilanzstärke und Bewertung wieder zählen.

Ausblick 2026: Stabilität, Selektion und Disziplin

Mit Blick auf 2026 zeichnet sich ein Umfeld ab, das Investoren sowohl Chancen als auch Herausforderungen bietet. Die Märkte sind weit weniger einseitig als in den letzten Jahren. Bewertungsdisziplin, Faktorstreuung und selektive Risikoallokation werden entscheidend sein. KI bleibt ein zentraler Treiber – doch nachhaltiger Erfolg wird von der Fähigkeit abhängen, zwischen Substanz und Spekulation zu unterscheiden.
In diesem Sinne erscheint 2026 als „Zwischenjahr“: Das Gewinnpotenzial bleibt intakt, doch Bewertungen, Verschuldung und geopolitische Risiken mahnen zur Disziplin.

In den sogenannten „Grey-Swan-Szenarien“ sehen Strategen für 2026 unter anderem folgende negative Überraschungen:

• ein mögliches Platzen der KI-Blase bei überzogenen Erwartungen
• Kreditrisiken im Private-Equity-Sektor
• politische Turbulenzen in Europa, sollten Reformstau und Haushaltskonflikte in Frankreich und Deutschland eskalieren

Zugleich bleiben Chancen bestehen: stabile US-Konsumdaten, fiskalische Impulse in den USA und Deutschland sowie eine weitere Erholung der Schwellenländer – insbesondere in Lateinamerika und Asien.

Europa bleibt mit soliden Bilanzen und attraktiven Dividenden ein interessantes Spielfeld, während Asien langfristiges Wachstumspotenzial bietet.

Für Anleger bedeutet das: Nicht alles auf eine Karte setzen, sondern Vielfalt als Stärke begreifen.


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