Marktkommentar Anleihen: Iran-Krieg: Ölpreis-, Inflations- und Konjunkturschock
Der Konflikt im Nahen Osten hat die Kapitalmärkte zu Jahresbeginn spürbar verändert. Steigende Energiepreise, veränderte Zinserwartungen und höhere Kreditrisiken sind die Folge. Dr. Harald Henke, Principal Investment Strategist Fixed Income, ordnet ein, was die Marktreaktionen über Inflation, Konjunktur und die aktuelle Marktpositionierung aussagen.
Dr. Harald Henke
Principal Investment Strategist Fixed Income
In Kürze
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Inflationsdruck bleibt erhöht: Der Ölpreisanstieg wirkt persistent und trifft auf eine schwächere Konjunktur.
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Zinsmärkte signalisieren Abkühlung: Die Verflachung der Kurven deutet auf steigende Wachstumsrisiken hin.
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Risikoprämien steigen differenziert: Besonders in Europa weiten sich Spreads aus, sektorale Unterschiede nehmen zu.
Die Weltwirtschaft wurde Anfang 2026 durch eine Eskalation des Konflikts zwischen Israel, den USA und Iran erneut erschüttert, einschließlich Angriffen auf zentrale Energieinfrastruktur. Die Schließung der Straße von Hormuz und steigende Transportrisiken beeinträchtigen die Energieflüsse erheblich und erhöhen das Risiko umfassender Schäden im regionalen Energiesystem deutlich.
Anstatt eine Prognose über den weiteren Verlauf des Konflikts sowie dessen Auswirkungen auf Weltkonjunktur und Finanzmärkte abzugeben, wollen wir die bisherigen Marktbewegungen analysieren und Schlussfolgerungen für den Status des Marktes ziehen.
Zinsen: Dominiert der Inflations- oder der Zinseffekt?
Die Zinsen in den USA und Deutschland stiegen zunächst über alle Laufzeiten deutlich an. Abbildung 1 zeigt den Verlauf der Zehnjahreszinsen.
Abbildung 1: Zehnjahreszinsen
Über den ersten Monat betrug der Anstieg 30-35 Basispunkte und deutet auf eine Neubewertung der Realzinsen am Markt hin. Interessanterweise verflachte sich die Zinskurve nach einer anfänglichen Parallelverschiebung im Laufe des März deutlich, wie aus Abbildung 2 hervorgeht:
Abbildung 2: Steilheit der Zinskurven im ersten Quartal
Während sich in den ersten Tagen des Konflikts die Zinskurve weitestgehend parallel verschoben hat, kam der Markt nach einigen Wochen zu der Ansicht, dass der konjunkturelle Schock größer ist als zunächst angenommen. Entsprechend verflachten sich die Zinskurven auf beiden Seiten des Atlantiks.
Für weitere Diskussionen und empirische Evidenz empfehlen wir unseren Artikel „Ölpreisschocks, Nachfrage nach sicheren Anlagen und die US-Zinsdynamik“.
Zinserwartungen des Marktes
Der Markt hat in der Zwischenzeit die Zinspolitik der Zentralbanken neu gepreist und hat für Deutschland drei weitere Zinsschritte eingepreist, sowie für die USA zwei Schritte aus- und einen Zinsschritt eingepreist, wie aus den impliziten Zinserwartungen aus den Geldmarkt-Futures zu ersehen ist.
Abbildung 3: Implizite Zinserwartungen aus Geldmarkt-Futures
Panel A: Deutschland
Panel B: USA
Wie aus den Abbildungen ersichtlich, sind für die Eurozone drei Zinsschritte für 2026 und fast ein weiterer für 2027 eingepreist. In den USA sind alle Zinsschritte nach unten ausgepreist und inzwischen mit gewisser Wahrscheinlichkeit ein Zinsschritt nach oben eingepreist. Es wird deutlich, dass Märkte erwarten, dass der inflationäre Schock nicht nur temporär sein wird.
Zinserwartungen der Fed
Die Fed veröffentlichte am 18.03.2026 ihre neuen Zinserwartungen („Dot Plots“). Es ist unklar, wann exakt jedes Mitglied seine Erwartungen geformt hat und wieviel des aktuellen Schocks in diesen Erwartungen reflektiert ist. Nichtsdestoweniger wird klar, dass die Erwartungen der Fed – im Gegensatz zur Markterwartung – nach wie vor weitgehend unverändert sind.
Abbildung 4: Fed Dot Plots
Credit-Spreads: Der Sturm nach der Ruhe
Credit-Spreads stiegen bereits im Februar in Erwartung der nahenden Eskalation. Als der Krieg dann ausbrach, reagierten die Credit-Märkte allerdings zunächst erst einmal gelassen. Nach einer Woche des Kriegs waren die Credit-Spreads nahezu unverändert. Im Einklang mit der sich ändernden Einschätzung der Zinsmärkte stiegen auch die Investment-Grade (IG)-Credit-Spreads spürbar an, wie aus Abbildung 5 ersichtlich ist:
Abbildung 5: IG-Credit-Spreads
Dabei stiegen Credit-Spreads in Europa und den USA zunächst im Gleichklang. Gegen Ende des Monats entkoppelten sich die USD-Spreads allerdings und gingen entgegen dem Trend zurück, während in Europa ein weiterer Anstieg zu verzeichnen war. Dies ist vermutlich mit der stärkeren Energieabhängigkeit Europas von den Weltmärkten zu begründen.
Ein Blick auf das Sektorbild zeigt im März ein heterogenes Muster in den USA und Europa.
Abbildung 6: Sektorveränderung seit Kriegsbeginn
Neben den Kriegsfolgen sind in den USA auch die Probleme im Softwarebereich und den Bereichen Private Debt und Private Equity ersichtlich. So haben Finanz- und IT-Werte die höchsten Spread-Ausweitungen zu verzeichnen. Auffallend ist auch die Outperformance des Energie-Sektors, in dem viele Unternehmen von den gestiegenen Rohstoffpreisen profitieren.
Ausblick
Der Iran-Krieg hat die Märkte aus ihrer Ruhephase geweckt. Zinsen und Credit-Spreads steigen, letztere haben sich vor allem in Europa deutlich von ihren Tiefständen entfernt. Ölpreise steigen weiter und die Volatilität bleibt hoch. Während die politische Entwicklung unklar ist, ist eins jedoch sicher: In einem solchen Umfeld ist aktives Portfolio Management und rigorose Risikobegrenzung wertvoller denn je.