Vom Preisschock zur physischen Knappheit
Rohstoffschocks werden in der Regel anhand ihrer Auswirkungen auf Preise und Inflation bewertet. Doch was geschieht, wenn die Lagerbestände erschöpft sind und die Märkte dies nicht länger auffangen können? Dr. Harald Henke, Principal Investment Strategist Fixed Income, erläutert, wie sich physische Knappheit über globale Lieferketten ausbreiten und die Credit-Risiken in verschiedenen Regionen und Sektoren verändern kann.
Dr. Harald Henke
Principal Investment Strategist Fixed Income
In Kürze
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Puffer bestimmen den Kipppunkt: Sind die Reserven erschöpft, können sich Preisschocks zu physischen Versorgungsengpässen entwickeln.
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Knappheit ist regional unterschiedlich ausgeprägt: Asien ist am stärksten gefährdet, gefolgt von Europa, während die USA besser geschützt bleiben.
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Widerstandsfähigkeit bestimmt das Credit-Risiko: Die Flexibilität der Lieferketten und die regionale Ausrichtung werden zu entscheidenden Differenzierungsmerkmalen.
Die nichtlineare Übertragung einer anhaltenden Rohstoffstörung auf die Weltwirtschaft und die Credit-Märkte
Große Rohstoffschocks werden üblicherweise aus der Perspektive von Preisen, Inflation und Geldpolitik betrachtet. Eine länger anhaltende Beeinträchtigung der Straße von Hormus könnte jedoch einen grundlegenderen Wandel auslösen, sobald Lagerbestände und andere operative Puffer zur Neige gehen.
Das Paper stellt ein Drei-Phasen-Modell vor, welches zeigt, wie sich ein anfänglicher Preisschock zu physischer Knappheit entwickeln kann. In der heutigen, stark vernetzten und von Just-in-time-Prozessen geprägten Wirtschaft können sich Engpässe schnell über Produktionsnetzwerke ausbreiten. Dadurch können die Auswirkungen weit über die unmittelbar betroffenen Rohstoffe hinausgehen.
Die Risiken dürften sich nicht gleichmäßig entfalten. Importabhängigkeit, Lagerbestände und die Möglichkeit, kritische Vorprodukte zu ersetzen, bestimmen, welche Regionen, Sektoren und Unternehmen zuerst betroffen sind – und wie schnell sich die Störungen entlang ihrer Lieferketten ausbreiten.
Für Credit-Investoren verändert sich dadurch der analytische Fokus. Neben Verschuldungsgrad, Ertragskraft und Zinssensitivität werden die operative Widerstandsfähigkeit und die Nähe eines Unternehmens zum ursprünglichen Rohstoffschock zu immer wichtigeren Indikatoren für eine mögliche Verschlechterung der Kreditqualität.