Individuell zugeschnittene Anleihe-Portfolios: Warum systematische Prozesse im Vorteil sind
Fixed-Income-Portfolios werden seit jeher auf individuelle Anforderungen zugeschnitten. Doch wie lässt sich das angestrebte Risiko-Rendite-Profil bewahren, wenn zu traditionellen Restriktionen Nachhaltigkeitsziele, Liquiditätsanforderungen und Risikobudgets hinzukommen? Dr. Harald Henke, Principal Investment Strategist Fixed Income, erläutert, warum systematische Prozesse hier im Vorteil sind.
Dr. Harald Henke
Principal Investment Strategist Fixed Income
In Kürze
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Vorgaben wirken zusammen: Eine Restriktion kann Risiko, Rendite, Liquidität und Kosten verändern.
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Breite bewahrt Chancen: Ein großes Anlageuniversum ermöglicht alternative Exposures.
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Messbarkeit schafft Klarheit: Systematische Prozesse quantifizieren Zielkonflikte vor der Umsetzung.
Individualisierung sollte nicht nur möglich, sondern messbar sein
Die Individualisierung ist seit jeher ein fester Bestandteil institutioneller Fixed-Income-Anlagen. Heute gehen Mandate jedoch weit über Duration, Ratings, Sektoren und Benchmarks hinaus. Anleger verbinden diese klassischen Vorgaben zunehmend mit Nachhaltigkeits- und Klimazielen, Liquiditätsanforderungen, Risikobudgets, Umsatzgrenzen und einem maßgeschneiderten Reporting.
Jede Vorgabe kann weit über ihren unmittelbaren Zweck hinauswirken. Wie das im Paper dargestellte Beispiel eines Ausschlusses von Energieanleihen zeigt, kann der Verzicht auf einen Sektor zugleich Carry, Duration, Spread-Exposure, Bonität, Liquidität und erwartetes Alpha verändern. Werden Wertpapiere nacheinander ersetzt, kann die Lösung eines Problems an anderer Stelle im Portfolio ein neues schaffen.
Ein systematischer Prozess berücksichtigt diese Wechselwirkungen gleichzeitig. Er verbindet eine breite Abdeckung des Anlageuniversums mit Prognosen auf Einzeltitelebene, Risikomodellen, Liquiditäts- und Transaktionskostenschätzungen sowie kundenspezifischen Vorgaben. Diversifizierte Exposures zu Faktoren wie Value, Quality, Momentum und Carry lassen sich häufig über andere zulässige Wertpapiere wiederherstellen. Quoniams interne Modellrechnungen zeigen, dass Restriktionen das investierbare Universum zwar erheblich verkleinern können, das erwartete Alpha-Potenzial aber häufig in wesentlich geringerem Umfang beeinträchtigen.
Das bedeutet nicht, dass Individualisierung kostenfrei ist. Einige Anforderungen führen zu spürbaren Zielkonflikten bei Alpha, Risiko, Liquidität oder Umsetzungskosten. Der Vorteil eines systematischen Ansatzes liegt darin, diese Auswirkungen bereits vor der Umsetzung messen und erklären zu können. Für Investoren lautet die entscheidende Frage daher nicht nur, ob ein individuelles Mandat umsetzbar ist, sondern ob seine Konsequenzen transparent sind und das resultierende Portfolio seine angestrebte Funktion weiterhin erfüllt.