Marktkommentar Aktien: Stillstand bei Indizes, aber massive Schwankungen unter der Oberfläche

Hohe Volatilität und geopolitische Spannungen prägten die Aktienmärkte, was für Anleger mit Herausforderungen, aber auch mit Chancen verbunden war. Erfahren Sie im Marktkommentar von Mark Frielinghaus, CFA, Portfolio Manager Equities, wie diese Ereignisse die Anlagestrategien aktiver Fondsmanager beeinflusst und die Vorteile eines diversifizierten, systematischen Ansatzes deutlich gemacht haben.

Mark Frielinghaus, CFA

Mark Frielinghaus, CFA
Principal Investment Strategist Equities

In Kürze

  • 2025 war extrem volatil: Der Nasdaq verlor bis 8. April 23 % und erholte sich danach um 33 %, globale Indizes schlossen mit moderaten Halbjahresgewinnen.

  • Aktives Management bleibt herausfordernd: Nur 565 von 1.500 globalen Aktienfonds übertrafen ihre Benchmarks.

  • Risikokontrollierte, breit diversifizierte, systematische Strategien schlugen diskretionäre Fonds durch bessere Abfederung von Sektor- und Stilumschwüngen und liefern stabilere Risiko-Rendite-Profile

Die Aktienmärkte erlebten 2025 eine außergewöhnliche Achterbahnfahrt. Mitte Februar löste eine erste Verkaufswelle eine zeitweise Panik aus, die sich im März weiter verschärfte und rund um den 2. April – dem sog. „Liberation Day“ – ihren Höhepunkt erreichte, als Präsident Trump reziproke Zölle ankündigte. Unmittelbar darauf setzte an den weltweiten Börsen eine dramatische Erholung ein.

Zwischen dem 18. Februar und dem 8. April verlor der Nasdaq (in USD) rund 23 %, bevor er binnen kurzer Zeit um 33 % zulegte, seine Einbußen komplett ausglich und wieder das Niveau von Mitte Februar erreichte. Dieser steile Gegenwind spiegelte sich auch in den internationalen Indizes wider: MSCI World, MSCI Europe und MSCI Emerging Markets verbuchten seit ihren Tiefpunkten zweistellige Kursgewinne. Der MSCI World schloss das erste Halbjahr mit einem Plus von 6,5 % in lokaler Währung bzw. mit über 9 % in USD ab.

Zollpause und Sektorrotation treiben Erholung inmitten der Marktvolatilität an

Eine 90-tägige Zollpause und die Anbahnung von Handelsabkommen sorgten im zweiten Quartal für eine rasche Kurserholung. Ein deutlicher Rückgang der Ölpreise stärkte zusätzlich das Anlegervertrauen. Sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq erreichten neue Allzeithochs, wobei der Nasdaq seinen bisherigen Höchststand vom Dezember 2024 übertraf. Niedrigere Renditen von US-Staatsanleihen, insbesondere bei kürzeren Laufzeiten, stützten den Marktoptimismus zusätzlich.

Obwohl die Renditen wieder auf ein normales Niveau zurückkehrten, blieb die Volatilität außergewöhnlich hoch. Der VIX-Index kletterte aus Angst vor Zöllen auf über 52 und pendelte sich danach bei rund 20 ein – deutlich über seinem 15-Jahres-Durchschnitt von etwa 18,4. Die Faktorvolatilität folgte diesem Trend, wobei sich die Performance der Anlagestile umkehrte.

Abbildung 1: Volatilitätsspitze verdeutlicht Ausmaß der Marktturbulenzen
Quelle: Bloomberg L.P.

Während des Ausverkaufs war die Wertentwicklung der verschiedenen Stile in den einzelnen Regionen weitgehend einheitlich, wobei sich defensive Strategien gut behaupten konnten. Bei Small-Cap-Aktien kam es zu stärkeren Kursrückgängen. Aus Stilsicht schnitten Growth- und Quality-Titel schwächer ab, während Value-Strategien deutlich weniger verloren als der Gesamtmarkt.

Bei der anschließenden Erholung bis zum Ende des zweiten Quartals zeigte sich jedoch ein völlig anderes Bild. Zyklische Werte und Sektoren mit höherem Beta profitierten deutlich stärker als defensive Titel. In den Industrieländern erzielten nur Growth- und Momentum-Aktien eine nennenswerte Outperformance, während alle andere Stile underperformten.

Abbildung 2: Relative Renditen von Stilindizes während des Abverkaufs und der Erholung der globalen Aktienmärkte
Quelle: Datastream

Die deutliche Trendwende bei den Stilrenditen zeigte sich ebenfalls im Wechsel der favorisierten Sektoren.

Der Marktrückgang im ersten Quartal wurde besonders durch Rückgänge im Technologiebereich getrieben. Halbleiter und Hardware schnitten schlechter ab als der breite Markt und verzeichneten Verluste von jeweils rund einem Drittel, was sich auch bei „Magnificent 7“-Aktien zeigte, welche um etwa 30 % korrigierten.

Abbildung 3: Absolute Renditen der globalen Sektoren in EUR (30.12.2024 – 08.04.2025)
Quelle: Datastream
Abbildung 4: Absolute Renditen der globalen Sektoren in EUR (08.04.2025 – 30.06.2025)
Quelle: Datastream

Die Erholung seit dem 8. April wurde von Zyklikern dominiert. Spitzenreiter waren Halbleiter, Finanzwerte, Automobil- und Investitionsgüter. Der Magnificent-7-Index entwickelte sich sehr stark und stieg um fast 40 % in lokalen Renditen gemessen.

Volatilität zeigt sich in beiden Marktrichtungen … lohnt sich das Risiko?

Ein Blick auf ausgewählte Wettbewerber verdeutlicht, dass der enorme Volatilitätsanstieg rund um den „Liberation Day“ die relative Performance erheblich beeinträchtigte. Die meisten aktiv verwalteten Fonds folgten dabei klassischen Renditemustern. Unter Vorbehalt, dass folgende Ergebnisse nicht repräsentativ sind, wird deutlich, wie massiv die Schwankungen der Out- und Underperformance rund um den „Liberation Day“ ausfielen.

Abbildung 5: Relative Renditen gegenüber dem MSCI World für die Quoniam Enhanced Index Strategie und ausgewählte aktive globale Aktienfonds
Quelle: Bloomberg L.P.

Im Gegensatz zum breiten Aktienmarkt erholte sich die Performance der meisten aktiven Fondsmanager nicht vollständig vom Abschwung im zweiten Quartal. Wie wir aufgezeigt haben, hängt dies vermutlich mit dem Favoritenwechsel bei den Stilen und Sektoren zusammen. Traditionelle aktive Fonds arbeiten häufig mit konzentrierten Portfolios und ausgeprägten Stilausprägungen. Somit hätte das Portfolio um den 8. April herum komplett neu ausgerichtet werden müssen, um mit der Markterholung Schritt zu halten.

Statt Value-Positionen hätte man Übergewichte in Growth-Aktien aufbauen müssen. Sektorseitig mussten Übergewichte in Telekommunikation und Konsumgütern durch Technologie- und Wachstumsaktien ersetzt werden. Dies war nur selten der Fall, und eine solch umfassende Umschichtung erfordert neben einer Kristallkugel eine hohe Entschlossenheit. Die Charts und Daten zeigen, dass das Timing hierbei entscheidend war. Eine Umschichtung Ende März wäre zu früh und Anfang Mai zu spät gewesen, um den breiten Aktienmarkt zu schlagen.

Betrachtet man nun einige aktive Fonds, wird deutlich, dass die relative Performance in den meisten Fällen unter dem Ausverkauf litt. Das übliche Muster stellte sich wie folgt dar: Underperformance während der turbulenten Verkaufswelle im ersten Quartal, gefolgt von einer nur teilweisen Erholung im zweiten Quartal.

Diskretionäre Entscheidungen vs. Diversifikation: Aktive Manager unter Druck, systematische Ansätze halten sich besser

Die wahrscheinlichste Ursache für dieses Renditeverhalten ist der dramatische Stimmungsumschwung bei den Anlegern und die subjektiven Entscheidungen der Fondsmanager. Aufgrund der starken Marktentwicklung 2024 hielten die meisten aktiven Manager an ihren Growth-Positionen fest, um weiter von der Marktrallye zu profitieren. In der Abwärtsphase führte diese Ausrichtung jedoch zu einer Underperformance, was z.B. an der schwachen relativen Wertentwicklung des MSCI World Growth deutlich wird.

Die Positionierung an sich war weniger problematisch, da der Growth-Index vom 8. April bis Ende Juni wieder um 6,5 % anstieg. Viele Manager reagierten jedoch offenbar verfrüht auf das neue Umfeld gegenseitiger Zölle und deren negativen wirtschaftlichen Folgen und positionierten sich defensiv. Da diese Strategieänderungen in der Regel nach dem Ausverkauf vorgenommen wurden, war die Aufwärtsbeteiligung begrenzt, d. h. der Fonds schnitt schlechter ab als der Markt.

Um diese Sichtweise anhand weniger aktiver Fonds auf ein breiteres Fundament zu stellen, führten wir eine Peergroup-Analyse durch:

Via Bloomberg identifizierten wir rund 2.000 in Europa domizilierte Aktienfonds mit mindestens 95 % Aktienquote. Für etwa 1.500 Fonds lagen relative Performancedaten gegenüber ihrer Benchmark vor. Nur 38 % (565) erzielten eine positive relative Rendite für den Zeitraum seit Jahresbeginn, während die übrigen 62 % (935) hinter ihrer Benchmark zurückblieben.

Im Gegensatz dazu schnitt ein diversifiziertes, systematisch ausgerichtetes Portfolio mit 300 Titeln während der heftigen Schwankungen im zweiten Quartal besser ab. Dank des breit gefächerten Exposures wurden die starken Stil- und Sektorumschwünge reibungsloser abgefedert. Obwohl beispielsweise Quality und Growth während des Drawdowns underperformten, erholten sich beide nach dem 8. April um 6,5 % oder mehr. Ein diversifiziertes Portfolio fing diese Umschichtungen besser auf, ohne dass ein diskretionäres Rebalancing erforderlich war.

Fazit

Offenkundig stellte 2025 erneut ein herausforderndes Umfeld für aktive Manager dar. Während einigen eine erfolgreiche Positionierung gelang, verzeichneten nahezu alle um den turbulenten „Liberation Day“ einen Einbruch in der relativen Performance.

In diesem Umfeld kann ein risikokontrollierter Anlagestil mit einem bewährten, systematischen Prozess die attraktivsten Risiko-Rendite-Merkmale bieten. Er umgeht kurzfristige Disruptionen und Rückschläge, die durch externe und politische Schocks ausgelöst werden.


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